Lastenräder im Handwerk: die Lösung in der Stadt?

Enge Innenstädte, wenig Parkmöglichkeiten, zeitintensive Fahrten: Immer mehr Unternehmen lassen den Transporter stehen – und setzen aufs Lastenrad. Ist das Fahrzeug auch eine Lösung für Handwerksbetriebe?

In Großstädten sieht man sie immer öfter auf den Radwegen: Lastenräder, mit denen große Einkäufe, kleine Kinder und sogar Haustiere von A nach B transportiert werden. Doch nicht nur im Privatgebrauch sind die Räder eine große Hilfe und ersetzen teilweise das Auto, auch Unternehmen setzen vermehrt auf den flexiblen und umweltschonenden Transport per Lastenrad. Rund 400 Kilogramm CO2 ließen sich pro Jahr einsparen, wenn man regelmäßig aufs Lastenrad statt ins Auto steigt, schlussfolgert das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum in seinem Projekt „Ich entlaste Städte“, für das 750 Unternehmen Lastenräder im Alltag getestet haben.

E-Bikes für Handwerker

Besonders für Handwerksbetriebe in Großstädten kann das Lastenrad mit Elektroantrieb eine gute Ergänzung des Fuhrparks sein. Denn hier gibt es wenig Parkmöglichkeiten. „Aktuell liegt der Anteil der Kundinnen und Kunden im Handwerk noch unter fünf Prozent“, sagt Inga Töller, Chief Marketing Officer vom E-Cargobike-Hersteller Onomotion. „Allerdings sehen wir eine erhöhte Nachfrage und Interesse in der Branche.“

Gerade neuere Lastenrad-Varianten wie das E-Cargobike von Onomotion können mittlerweile optimal an die Transportbedarfe des Handwerks angepasst werden. Das Containermodul auf der Hinterseite des Rades bietet verschiedene Möglichkeiten, Werkzeug bei einer Gesamtzuladung von 200 Kilogramm mitzunehmen: „Von Netzen und Regalböden bis hin zum Einbau von Sortimo-Regalen für das Werkzeug sind alle Möglichkeiten der Anpassung und Ladungssicherung gegeben“, erklärt Töller.

Tausche Transporter gegen Lastenrad

Einer, der von Anfang an dabei war, ist Steinmetz Heinz Blaschke aus Stuttgart. Seit 2018 ist sein Handwerksbetrieb bereits mit dem E-Lastenrad unterwegs. „Seitdem sind wir rund 37.000 Kilometer mit dem Lastenrad gefahren“, sagt Blaschke. Dafür sei der Transporter oder das Auto öfter mal auf dem Betriebsgelände geblieben. Der Steinmetz nutzt das Lastenrad hauptsächlich für Kleinaufträge und Kundenbesuche. „Auch für Botengänge lohnt sich das Rad, zum Beispiel für den Werkzeugkauf beim Fachhändler“, so Blaschke. Für den Transport gibt es extra eine Werkzeugbox auf der Lastenfläche.

Für größere Handwerksaufträge kommt das Lastenrad allerdings nicht infrage, da neben Werkzeug auch schweres Material transportiert werden muss. „Ich kann beim Lastenrad maximal 120 Kilogramm zuladen“, sagt Blaschke, „und höchstens 75 Kilometer zurücklegen, dann ist der Akku leer.“ So bedarf es bei kleineren Aufträgen auch der richtigen Planung, bei der neben der Ladung und der Streckenlänge auch die Witterung und die Steigung eine Rolle spielen. 

Flexibel unterwegs in die Zukunft des Handwerks

Blaschke sieht das Lastenrad als positive Ergänzung seines Fuhrparks – und würde sich jederzeit wieder eins anschaffen. So ist er flexibler im alltäglichen Großstadteinsatz: „In der Stadt ist das Lastenrad aufgrund der Parkplatzsituation und der beengten Verhältnisse ein echter Vorteil“, sagt der Steinmetz. Er steht nicht mehr im Stau, und auch die aufwendige Parkplatzsuche entfällt, das spart Zeit – und Nerven. „Man kommt stressfreier an und hat viel mehr Terminsicherheit“, erklärt der Stuttgarter. Außerdem könne man mit dem Rad direkt auf die Baustelle oder vor die Haustür des Kunden fahren und durch die Zeitersparnis mehrere Termine am Tag miteinander verbinden.

Dazu braucht man für ein Lastenrad keinen Führerschein. Dadurch kann jede Person des Betriebs flexibel unterwegs sein. Und Unternehmen sparen mit E-Lastenrädern oder E-Cargobikes sogar: Das Laden ist günstiger als bei Elektroautos und kostet auch weniger als die Tankfüllung eines Transporters. Die Räder bieten Unternehmen außerdem die Möglichkeit, sich ohne zusätzliche Ladeinfrastruktur emissionsfrei aufzustellen – so wird auch die Umwelt in den ohnehin schon belasteten Großstädten geschont.

Für die Zukunft hat Blaschke einen Wunsch: die Verbesserung der Infrastruktur. Man brauche nicht nur mehr und breitere Radwege, sondern auch eine bessere Anpassung des öffentlichen Nahverkehrs an die Bedürfnisse der Radfahrenden. „Man kommt mit einem Lastenrad beispielsweise nicht zur S-Bahn-Station“, sagt Blaschke. Somit müssten weite Strecken weiterhin mit dem Auto oder dem Transporter zurückgelegt werden.

Blaschke hofft allerdings, dass zukünftig noch mehr Unternehmen aufs Lastenrad umsatteln. „Die Förderprogramme sorgen dafür, dass sich mehr Betriebe und Selbstständige Lastenräder anschaffen können“, sagt der Stuttgarter. Einen Überblick über die Fördermöglichkeiten bieten zum Beispiel die Handwerkskammern. „Schon kleine Schritte sorgen dafür, dass die Gesellschaft beim Thema Mobilität ein bisschen schneller umdenken kann“, so Blaschke. Das Lastenrad ist einer davon.


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