7. Dezember 2021

MEWA Corporate Blog

Teilen ist Vielfalt

Carsharing, Einkaufsnetzwerke, Coworking Spaces, Mitwohngelegenheiten oder E-Scooter: Teilen ist das neue Haben – nur eben ohne Besitz. Vor allem in den letzten Jahren sind in der Sharing Economy vielversprechende neue Geschäftsmodelle und Konzepte entstanden, die das Leben erleichtern oder durch eigenen Verzicht für andere angenehmer machen sollen, wie ein Blick auf die verschiedenen Formen des organisierten Teilens zeigt.

Teilen darf Geld kosten

Zwischen schwarz und weiß, dem guten Teilen und dem schlechten Teilen, gibt es viele Grautöne. Und Missverständnisse, die sich spätestens dann zeigen, wenn St. Martin als Lichtgestalt des Teilens ins Feld geführt wird. Hat er seinen Mantel etwa stundenweise vermietet? Eben.

Dabei geht es in der Sharing Economy in erster Linie gar nicht um Verzicht durch Verschenken. Es geht darum, Ressourcen zu sparen, indem man sie gemeinsam mit anderen effizienter nutzt, beispielsweise durch Carsharing. Statt hundert Autos zu besitzen, die den größten Teil des Tages nutzlos hundert Parkplätze belegen, teilen sich hundert Menschen zehn Autos. Das Prinzip funktioniert, weil Carsharing ein Geschäftsmodell ist, das trotz erheblicher Investitionen in die Fahrzeugflotte und den Aufbau einer smarten digitalen Infrastruktur Gewinne abwirft. Der ökologische Nutzen ist also nur deshalb Realität, weil sich das Geschäft lohnt.

Der soziale, der ökologische und der ökonomische Aspekt liegen beim Thema Sharing Economy eng beieinander.

Trotzdem wäre es falsch, den Sharing-Boom auf rein kommerzielle Aspekte zu reduzieren. Die Sharing Economy ist vielfältig. Viele Menschen wollen völlig uneigennützig teilen und anderen den Zugang zu Wissen, Waren oder Dienstleistungen ermöglichen, die ansonsten darauf verzichten müssten. Der soziale, der ökologische und der ökonomische Aspekt liegen beim Thema Sharing Economy also eng beieinander, wie der folgende Überblick über die Kultur des Teilens zeigt.

1. Schwarmfinanzierung für gute Ideen

Geld sharen – für Ideen, Projekte, Produkte, Start-ups, das nächste große Ding: Crowdfunding hat sich längst als Alternative oder Ergänzung zur traditionellen Finanzierung eines Vorhabens durch Kredite oder Fördergelder etabliert.

Die Idee ist wichtiger als die Bonität.

Inzwischen können nicht nur Filme, Computerspiele, Musikproduktionen und andere kulturelle oder soziale Projekte mithilfe der online organisierten Schwarmfinanzierung realisiert werden. Auch Start-ups und Entwickler von innovativen Produkten nutzen zunehmend Crowdfunding, weil es ihnen die Chance bietet, auch ohne Sicherheiten an das nötige Kapital zu kommen – die Idee ist wichtiger als die Bonität.

Das Besondere dabei ist, dass viele Menschen ein Projekt gemeinsam finanziell unterstützen, wenn sie von der dahintersteckenden Idee und den Macherinnen bzw. Machern überzeugt sind. Dabei geht es keineswegs immer darum, Geld zu geben, um mehr Geld zu bekommen. In vielen Fällen erwarten die privaten Kleinkreditgeber vom Projektinitiator nämlich ganz andere Gegenleistungen, etwa eine öffentliche persönliche Danksagung, ein Produktexemplar oder eine Kreativleistung. Organisiert wird das Ganze von kommerziellen Crowdfunding-Plattformen wie indiegogo.com, kickstarter.com oder visionbakery.com

2. Jobsharing: Zeit teilen und mehr vom Leben haben

Beim Jobsharing geht es um das Teilen von Arbeit, klassischerweise um das Teilen einer Stelle. Zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilen dabei vor allem ihre Ideen, ihr Wissen, ihre Erfahrung und die Zeit, die sie im Job dafür aufwenden wollen. 

Es geht um ein nachhaltiges Leben, in dem Menschen durch Zusammenarbeit gemeinsam mehr erreichen.

Wie bei vielen Sharing-Konzepten geht es auch hier um die Schonung von Ressourcen, nämlich um ein nachhaltiges Leben, in dem Menschen durch gute Zusammenarbeit mehr erreichen und letztlich alle Beteiligten etwas davon haben. Auf der einen Seite die Jobsharer, die mehr Lebenszeit für andere Aktivitäten gewinnen, aber auch Kraft und Motivation für eigene Projekte schöpfen. Auf der anderen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die vom gebündelten Know-how, mehr Diversität und möglicherweise auch von einem Plus an Produktivität profitieren.

3. Nachbarschaftshilfe und Ko-Konsum

Nachbarschaftshilfe gilt als Urform des mehr oder weniger organisierten Teilens und ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Heute gibt es über ganz Deutschland verstreut mehrere Hundert lokale Gemeinschaften und Genossenschaften, die sich im Alltag mit kleineren Hilfeleistungen gegenseitig unterstützen – fast immer unentgeltlich. Das Spektrum ist riesig. Einige Initiativen bieten Räumlichkeiten und Konzepte für gemeinschaftliches Wohnen, bringen in Reparatur-Cafés kaputte Technik wieder zum Laufen oder organisieren Tauschmärkte. Andere teilen ihre Autos, Bücher, Werkzeuge und andere Gerätschaften, damit sich der Besitz durch kollaborativen Konsum am Ende für alle vermehrt. Dass sich der Wunsch nach mehr Kontakt zum Nachbarn auch in einem „digitalen Dorf“ organisieren lässt, zeigen die Webseiten von nebenan.de oder nextdoor.de, deren Nutzerinnen und Nutzer Hilfe beim Babysitten anbieten, Feste organisieren oder sich gegenseitig mit Dingen beschenken, für die sie selbst keinen Nutzen mehr haben.

Die Idee des Teilens ist oftmals mit dem Anspruch verbunden, Teilhabe zu ermöglichen, andere zu unterstützen, nachbarschaftliche Bande zu festigen und Anonymität in Gemeinschaft zu verwandeln.

Das heute wohl prominenteste Beispiel für diese Form des uneigennützigen Teilens ist Foodsharing. Aber auch die spendenfinanzierte Organisation Wikipedia betreibt Social Sharing, ebenso wie die Programmierer von lizenzfreier Open Source Software, für deren Verbesserung viele Tausend Menschen ihre Freizeit opfern und die jeder Computernutzer kostenfrei verwenden darf. Wie bei Couchsurfing, Mitfahrgelegenheiten, Urban Gardening oder Dog Sharing ist die Idee des Teilens hier oftmals mit dem Anspruch verbunden, Teilhabe zu ermöglichen, andere zu unterstützen, nachbarschaftliche Bande zu festigen und Anonymität in Gemeinschaft zu verwandeln.

Foodsharing als Teil des Sharing
Das heute wohl prominenteste Beispiel für diese Form des uneigennützigen Teilens ist Foodsharing. 

4. Sharing als großes Geschäft

Auch bei den wohl bekanntesten Sharing-Plattformen wie Airbnb und Uber, bei großen Carsharing-Anbietern wie share now sowie bei zahlreichen Start-ups mit Geschäftsmodellen wie E-Scooter-Verleih, privatem Auto-Sharing oder der Vermietung von Coworking Spaces geht es ums Teilen. Sie alle haben das Potenzial, die Welt mehr oder weniger zu verändern – manche zum Guten, andere zum Schlechten.

Beispiel Airbnb: Als die Plattform vor zehn Jahren online ging, bestand die ursprüngliche Idee darin, Privatleuten gegen eine angemessene Vergütung die zeitweilige Vermietung von selbstgenutztem Wohnraum zu ermöglichen. Eine klassische Win-win-Situation und eine großartige Idee. Bis Investoren und Vermieter glaubten, noch cleverer zu sein und damit anfingen, die neuen Möglichkeiten für sich auszunutzen. Bald darauf zeigte sich, dass durch Airbnb viele Wohnungen vom traditionellen Mietmarkt verschwunden sind, weil Immobilienbesitzer ihre Wohnungen lieber tageweise, teuer und aus Profitgier an Touristen statt an Einwohner vermieten.

Inzwischen verdankt Airbnb seiner disruptiven Geschäftsidee einen geschätzten Unternehmenswert von über 30 Milliarden Dollar. Der globale Anbieter von privaten Chauffeur-Dienstleistungen Uber wird sogar auf einen Wert von über 100 Milliarden Dollar geschätzt.

In Amsterdam dürfen Immobilienbesitzer ihre Wohnungen künftig nur noch für maximal 30 Tage im Jahr über Airbnb vermieten.

Beide haben die Gewohnheiten vieler Menschen verändert und beide stehen in der Kritik, sie würden mit ihrer gigantischen Marktmacht traditionell gewachsene Strukturen über den Haufen werfen, private Autofahrer ausbeuten und die Gesellschaft spalten. Während die Verteidiger des Wandels die Disruption begrüßen und den vermeintlichen Traditionalisten Trägheit und Zukunftsblindheit vorwerfen, haben verschiedene Kommunen bereits reagiert. So dürfen Immobilienbesitzer ihre Wohnungen in Amsterdam künftig nur noch für maximal 30 Tage im Jahr vermieten.

Die Sharing Economy selbst ist von all dem ziemlich unbeeindruckt. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC nutzen derzeit rund 40 Prozent aller Volljährigen in Deutschland Sharing-Angebote mit einer leichten Tendenz nach oben.

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