17. Mai 2022

MEWA Corporate Blog

Warnschutzkleidung: Sehen und gesehen werden – mit Neonfarben ganz sicher

Neonfarben, eine Modeerscheinung? Von wegen. In Form von Warnschutzkleidung sorgen grelle Farben in vielen Berufen tagtäglich für Sicherheit, zum Beispiel auf Baustellen und bei Außenarbeiten.

In der Mode seit den 80er Jahren mit ständigen Comebacks vertreten, in vielen Arbeitsbereichen schon lange unverzichtbar: Grelle Farben sind ein Hingucker – sowohl modisch als auch sicherheitstechnisch. Die fluoreszierenden Farben dienten zunächst als Warnfarben in der Schifffahrt und auf Kraftfahrzeugen, bevor sie in den 80er Jahren die Laufstege der Welt eroberten. Bis heute wird der Trend immer mal wieder von großen Modelabeln wie Versace oder Balenciaga und Stars wie Kylie Jenner oder Blake Lively aufgegriffen, dann verschwindet er wieder für einige Zeit im Mode-Nirwana. 

Sichtbar macht sicher – aber erst seit knapp 40 Jahren

Wo fluoreszierende Farben allerdings immer angesagt sein werden: bei der Warnschutzkleidung. Wolfgang Quednau, Berater für textiltechnische Anwendungen und Mitglied in zahlreichen internationalen Ausschüssen für die Normierung von Schutzkleidung, erklärt, dass Warnkleidung aber nicht direkt Schutzkleidung sei, auch wenn sie gesetzlich unter diesen Punkt falle: „Warnkleidung schützt erst mal nicht, der erste Schritt ist, dass sie diejenigen, die sie tragen, sichtbar macht.“

Wie genau das funktioniert? Es gibt festgelegte Kriterien, mit denen man Form oder Bewegung im Kontrast zur Umgebung erkennen kann. Quednau erklärt: „Der Torso muss durch fluoreszierendes und retroreflektierendes Material umrundet sein, definiert nach Fläche und ein paar technischen Eigenschaften oder anders formuliert, definiert nach Quantität und Qualität.”

Hier kommen die grellen Neonfarben ins Spiel. Es gibt allerdings nur bestimmte Farborte, die infrage kommen, denn: Nicht jede Farbe ist eine potenzielle Warnfarbe. „Erst der Kontrast macht die Wahrnehmung“, so Quednau. Im urbanen Raum ist es zum Beispiel sinnvoll, gelbe Warnfarben zu tragen, da die Umgebung größtenteils in Grautönen erscheint. In ländlichen Gebieten dagegen, wo viele Grün- und Gelbtöne vorherrschen, ist es besser, im Kontrast auf Rot oder Orange-Rot zu setzen, um sich von der Umwelt abzuheben und gesehen zu werden. Nur fluoreszierende Farben – also die besonders grell wirkenden Farben – seien möglich. Diese scheinen zu leuchten, weil der Farbstoff die Eigenschaft besitzt, kurzwelliges, nicht sichtbares UV-Licht in langwelliges, für uns sichtbares Licht umzuwandeln.

Was noch fehlt, ist die Retroreflexion auf der Warnschutzkleidung: Auf den Kleidungsstücken werden sie für eine 360-Grad-Erkennbarkeit angebracht, die einen bestimmten Richtwert an Licht reflektieren müssen, wenn man sie anleuchtet. So wird man im Dunkeln sichtbar – allerdings nur wenn die Beleuchtungsquelle (z.B. der Fahrzeugscheinwerfer) in der Nähe des Auges ist.

Nicht immer waren wir allerdings so sicher unterwegs wie heute: Erst 1982 erschien die erste DIN-Norm für Warnschutzkleidung in Deutschland. Die Basis ihrer Entwicklung war eine Untersuchung zu Verkehrsschildern – von ihnen sind ihre Eigenschaften abgeleitet. Tatsächlich wurde diese deutsche Norm zur Vorreiterin für alles, was sich in den kommenden Jahren entwickeln sollte. 1989 folgte die erste Norm auf europäischer Ebene, die EN 471, basierend auf der Deutschen, da diese ausreichend wissenschaftlich begründet war. Im Rahmen des sogenannten Wiener Übereinkommens wurde die EN 471 dann im Zuge einer Revision zur weltweit anerkannten ISO 20471.

Eigenschaften von Warnschutzkleidung im Detail.

Schutz trotz Schmutz?

Klar ist aber auch: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Gerade auf Baustellen bleibt die Warnschutzkleidung nicht sauber. Schnell können die fluoreszierenden Farben durch Staub und Dreck ihre Strahlkraft verlieren und sich die Reflexstreifen abnutzen. Die Sicht- und Erkennbarkeit werden herabgesetzt. Die Kleidung muss gesäubert werden. Auch nach dem Waschen müssen die Warnschutzeigenschaften der Kleidung unbedingt erhalten bleiben, betont Quednau. Das stelle eine große Herausforderung dar, der sich MEWA durch intensive Forschung gewidmet hat.

Im Fokus der Entwicklungsarbeit steht die lange Lebensdauer der Kleidung. Wie bekommt man ein Produkt, das möglichst lange hält und zirkular, also im Waschkreis nutzbar ist, ohne Einbußen bei der Sicherheit verzeichnen zu müssen? Sowohl das Produktdesign als auch die Parameter beim Wasch- und Trocknungsvorgang müssen so aufeinander abgestimmt sein, um eine möglichst hochwertige, sichere und vor allem nachhaltig nutzbare Kleidung anbieten zu können. Bei der Wäsche sind es die Faktoren Waschtemperatur, Mechanik, Zeit und Waschmittel, die hier eine wesentliche Rolle spielen. Mit einem Mietsystem bei der Warnschutzkleidung wird hohe Sicherheit gewährleistet – immer auf dem neuesten Stand der Technik – durch regelmäßige entsprechende Wäsche, Pflege, Kontrolle und Reparatur. Angepasst an die verschiedensten Gefährdungsanalysen seien dann auch verschiedene Designs möglich, erklärt Quednau abschließend. Mit der richtigen Warnschutzkleidung ist man mit ihren grellen Farben also immer im Trend. Ganz sicher.

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